Burn in! Leicht entzückbar

Am Donnerstag, 2. 12. 2010, startet KU-Existenz 1,5: Ab 20 Uhr findet in der Kapelle der KHG der Burn-In-Abend statt. Ein spirituelles Vorglühen in den Advent – für alle Burn-Out-Bedrohten (also schon mal alle Bachelor-Studierende), alle Koffessionen und Denominationen. Ein Abend für alle Zweifler und Überzeugten, für alle Hippster und Normalos, für die Erschöpften und Dauer-Olympia-Sieger. Ein Abend für alle.

Was erwartet mich bei dem Burn-In-Abend?

Burn-In ist ein ökumenischer, spiritueller Abend. Lass uns sagen ein Gottesdienst, weil es um Gott und dich geht. Burn-In ist aber keine Messfeier, es wird keine Eucharestie geben. Burn-In hat auch nicht viel mit normalen Gottesdienstens gemeinsam: es wird viele Stationen geben, an denen du dich individuell, besinnlich, interaktiv, visuell, akkustisch, fühlend und komplentativ auf Gottes kommen in die Welt einlassen kannst. Ganz in Ruhe für dich – in dem Tempo, das dir behagt. So viel Kryptisches zum Anfang – wir arbeiten mit Hochdruck an dem Programm, Genaueres folgt auf diesem Blog.

Radio K1 über die “neue ökumenische Bewegung”

Der Radiosender des Bistum Eichstätt hat einen Radiobeitrag über KU-Existenz gebracht. Darin heißt es, die Bewegung sei eine “bemerkenswerte ökumenische Initiative”. Lebendiger Glaube und gelebte Ökumene seien die Ziele der neuen Bewegung. “Unser Fundament ist ganz der Glaube an Jesus Christus”, sagt die neugewählte Koordinatorin der Bewegung, Eva Hinz.  Darauf bauen die Studierenden die drei Säulen geistiger Austausch, also gemeinsames Gebet, freundschaftliche Kontakte und thematischen Austausch. Die Studentin hofft, dass aus KU-Existenz eine Institution in Eichstätt bleibt.  “Eine Aufbruchsbewegung wie jetzt habe ich so in dieser Form noch nicht erlebt”, meint Hochschulpfarrer Pater Johannes Haas.

Den ganzen Beitrag von K1 gibt es hier zu hören.

KU-Existenz 2: Die Ökumene schlägt zurück – Termine für 2010 und 2011

Nach dem positiven Feedback von euch und der Presse ist klar: KU-Existenz braucht ein Follow-up. Vielleicht schaffen wir es ja mal auf epische star-wars-artige sechs Teile. KU Existenz 2 ist jedenfalls schon in der Planung: Freitag bis Samstag, 1. und 2. Juli 2011. Also vormerken!

Damit das Warten nicht zu schwer fällt, engagieren sich die Gruppen von KU-Existenz auch im Wintersemester 2010/2011 an der KU Eichstätt-Ingolstadt:

Donnerstag, 2. Dezember 2010 in der KHG: Burn In-Party. Ein spirituelles Vorglühen in den Advent. Für alle (mehr oder weniger) Burn Out-Bedrohte und Weihnachtskommerz-Frustrierte.

Dienstag, 18. Januar 2011: Ökumenischer Gottesdienst anlässlich der Gebetswoche für die Einheit der Christen in der KHG.

Abseitsregeln und Erdbeerkuchen – das war KU-Existenz 2010

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KU-Existenz 2010 ist Geschichte. Hier ein kurzer, unvollständiger Rückblick: Rund 60 junge Christen haben sich am Wochenende in der KHG Eichstätt getroffen, um zusammen zu essen, zu diskutieren, Gottesdienst zu feiern und trennende Mauern zwischen den Konfessionen einzureißen. Darunter waren: Katholiken, Protestanten, Priester, katholische Charismatiker, evangelische Freikirchler, ein evangelisch-lutherischer Pastor, Priesteramtskandidaten, griechisch-orthodoxe Collegiaten, eine evangelische Benediktinerin und, und, und.

Ziel des Treffens war es, dass Christen aus verschiedenen Konfessionen einander näher kommen. Um aus kurzer Distanz zu bemerken: So verschieden sind wir gar nicht. Uns eint vielmehr, als uns trennt (Christus, die Liebe zu Erdbeerkuchen etc.). Zum Programm gehörten Workshops, Vorträge, Spiele, Gebete und Gottesdienste.

Nicht zwingen, nicht abwerben, nicht angreifen

In dem ersten Vortrag von Anita und Wolfgang Meyer ging es um praktische Hilfen für die Ökumene. Das Ehepaar war lange Jahre Mitglied in einer evangelischen Freikirche, ist aber im vergangenen November in die katholische Kirche eingetreten. Sie verglichen Ökumene mit einer Familie, deren Kindern sich mit folgenden Regeln verstehen statt streiten können: Dazu gehören u.a. Die Abseitsregel (die Regeln der anderen Kirchen akzeptieren: Keine Abendmahlsgemeinschaft erzwingen), den Kulturschock aushalten (die einen stehen und heben die Arme beim Singen und die anderen beten mittags das Angelus), den Nichtangriffspakt halten (keine Mitglieder abwerben), Insider-Sprache vermeiden und schließlich nicht die eigenen Autoritäten den anderen aufzwingen. Anita und Wolfgang Meyer betonten, dass alle Erkenntnis der Konfessionen Stückwerk sei. Daher gehe es darum die anderen zu akzeptieren und sich über sie zu freuen: Was die anderen an Gaben Gottes haben, gehört auch uns – nimm es an, umarme es (zitiert nach Helmut Niklas).

Keine projektorientierte Ökumene

Schwester Ruth Meili, evangelische Benediktinerin aus der Kommunität Casteller Ring, verglich die Beziehung zwischen den Konfessionen mit der Nachbarschaft (Johannes 14,2) „Gute Nachbarn ist man nicht, man wird es“, sagte sie. Ruth Meili sprach von einer respektvollen Annäherung: Niemand fällt gleich mit der Tür ins Haus. Oder erklärt: Dieser Stuhl passt aber viel besser in meine Wohnung. Sie betonte, dass es zuerst um das Zusammenwachsen der Gläubigen mit Christus gehe. Aus dem Ja Gottes zu dem einen, wachse die Erkenntnis, dass Gott auch den anderen genauso bejahe. Ruth Meili wehrte sich gegen eine projektorientierte Ökumene. Es gehe nicht darum, zu sagen, wenn wir die gemeinsame Eucharistie feiern, dann sind wir wirklich eins. Sie meinte, es gehe viel mehr darum, sich richtig kennenzulernen. Am Ende eines gemeinsamen Weges komme dann die gemeinsame Eucharistie vielleicht von ganz alleine.

KU-Existenz startet dieses Wochenende

Erst hat der FC Bayern Deutschland im Champions League-Finale geeint. Danach die Eishockey-WM die Rasen- und Wintersportler. Lena Meyer-Landrut vereint seit Wochen Eurovision-Song-Contest (formally known as „Schlager Grand Prix“) und Popkultur. Und in zwei Wochen sitzen Frauen, Männer und Michael Ballack gemeinsam vor dem Fernseher, wenn Jogi Löws U25-Nationalmannschaft in Südafrika auf Partysafari geht. Integrationsevents sind in.

In diese Reihe der Großereignisse fügt sich dieses Wochenende KU-Existenz ein. KU-Existenz ist ein Wortspiel aus Katholischer Universität (KU) und Koexistenz. Es geht um eine herzliche und aufrichtige Koexistenz zwischen den christlichen Gruppen und Konfessionen an der KU.

Beginn ist diesen Freitag 19 Uhr in der KHG (Lena singt eh erst am Samstag ab 21 Uhr, läuft sowieso nichts besseres im Fernsehen) und am Samstag ab 9:30. Das Programm findest du hier.

Ökumene, aber wie?

Auf diesem Blog haben wir in den vergangenen Wochen Gedanken zum Thema Ökumene gepostet. Eines ist dabei klar geworden: Die Sehnsucht nach Grenzen überschreitender Einheit ist groß. Was die Interviews mit dem Rektor des Collegium Orientale, Paul Schmidt, und dem Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirche in Eichstätt, Sieghart Schneider, aber auch zeigen ist, dass unterschiedliche Vorstellungen von Kirche, Einheit und Ökumene existieren. Die Frage stellt sich, wie diese Differenzen gelöst werden können? Wie kann lebendige Ökumene/Einheit/KU-Existenz funktionieren? Von den Kirchenführern gibt es dazu negative Abgrenzungen: Ökumene ist keine Koalitionsverhandlung (Reinhard Marx), kein Jahrmarkt (Johannes Friedrich), auf dem theologische Überzeugungen verhandelt werden. Was ist sie aber dann? Wie können wir eine vorurteilsfreie, versöhnte Einheit trotz unterschiedlicher Auffassungen gestalten? Ein Anfang ist unserer Meinung nach, dass wir uns kennen, respektieren und schätzen lernen.

Aber vielleicht hast du Ideen, wie die Konfessionen weiter kommen? Verstecke sie nicht und komm in die KHG! Herzliche Einladung zu KU-Existenz!

„Zum christlichen Glauben gehört Vielfalt“

Die Protestanten sind in Eichstätt eine Minderheit. Seit Anfang Mai ist Sieghart Schneider neuer Pfarrer in der evangelisch-lutherischen Kirche in der Bischofsstadt. Ralf Fischer und Dominic René Possoch sprachen mit ihm über zerstrittene Comichelden, zersägte Tische und eine mögliche zukünftige Abendmahlsgemeinschaft.

Herr Schneider haben Sie ein Faible für Asterix und Obelix?

Ja, Asterix und Obelix gefällt mir gut. Vor allem als meine Kinder kleiner waren, habe ich ihre Geschichten gelesen.

Abgesehen von den kriegerischen Assoziationen, könnte man die Lage ihrer Kirche in Eichstätt doch mit dem gallischen Dorf vergleichen: umgeben von einer römischen, katholischen Mehrheit.

(lacht) Warum nicht. Die Proportionen stimmen sicherlich. Die katholische Gemeinde deckt von der Bevölkerung den größten Teil ab. Ob wir aber so ein rebellisches Dorf wie die Gallier sind, das weiß ich nicht.

Wir leben in einer Welt, in der die Grenzen fallen. Wir können durch Europa reisen und mit einem Mausklick stehen wir auf dem Mount Everest. Wieso existiert gerade in der Christenheit noch so ein Lagerdenken?

Zum christlichen Glauben gehört die Vielfalt dazu. Es wird nie einen Einheitsbrei geben. Das ist kein Lagerdenken. Ich glaube, es gibt eine gute und gewachsene Tradition und ich muss von meiner Überzeugung aus leben, was mir am meisten entspricht. Jede Konfession hat einen Teil, der nahe an Jesus Christus dran ist und dann gibt es immer wieder Elemente, die weiter weg von ihm sind.

Wo ist denn die katholische Kirche näher an Christus als die evangelische?

Die katholische Kirche hat den Anspruch, die wahre Kirche zu sein. Die evangelischen Kirchen sind für sie nur christliche Gemeinschaften. Das ist ein sehr hohes Selbstbewusstsein, das praktisch andere Konfessionen abwertet: Wir sind die wahren Christen und die anderen sind defizitär. Ich sage: Alle sind zu erst einmal Glaubende an Jesus Christus. Und in diesem Sinne sind sie nicht defizitär, sondern leben diesen Glauben in unterschiedlichen Formen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Zurück den Galliern. Welche Ökumene muss die evangelische Kirche zuerst regeln: Die mit den Römern, oder die im eigenen Dorf? Die Beziehung zwischen Fischhändler Verleihnix und Schmied Automatix ist nicht konfliktfrei, ebenso wie zwischen der evangelischen Landeskirche und den Freikirchen.

Zur Ökumene gehört auch die inner-evangelische Ökumene. Sie beweist, dass es unterschiedliche Zugänge zu dem einen Evangelium gibt und dass man unterschiedliche Konsequenzen aus diesem Zugang zieht. Die Landeskirche muss es ernst nehmen, wenn Vertreter der Freikirchen das sichtbare Gemeindeleben kritisieren.

Zum Beispiel?

Gehen wir von einem ganz gewöhnlichen Gemeindeglied aus. Vertreter der Freikirchen kritisieren: Es wird getauft, geht in den Religionsunterricht, wird konfirmiert und dann taucht es ab und ihr seht es erst wieder bei der Beerdigung. Ist das wirklich Nachfolge Christi, so wie es in der Bibel steht? Wir müssen uns diese Frage gefallen lassen. Für mich ist das ein Signal, dass wir ein Defizit haben. Wir wollen auf der einen Seite, dass jeder seinen Glauben in einer individuellen Freiheit leben kann. Die negative Seite dieser Freiheit ist, dass Menschen in Gleichgültigkeit oder Beliebigkeit fallen können

Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, hat in einem Interview gesagt, der evangelische Kirche gehe es um Anerkennung. Die katholische Kirche wolle aber Einheit. Kann diese Einheit erst funktionieren wenn die katholische Kirche die evangelische anerkennt?

Die Einheit besteht im gemeinsamen Glauben an Jesus Christus. Es gibt aber eine hierarchische Uneinigkeit. Für die römisch-katholische Kirche besteht Einheit darin, dass an der Spitze der Papst steht, dann die Bischöfe, dann die Priester und am Schluss das Gottesvolk kommt. Die protestantische Sicht ist: Ich stehe direkt vor Gott. Und wenn ich direkt vor Gott stehe, habe ich eine Gemeinschaft mit den katholischen Christen, die meiner Ansicht nach auch direkt vor Gott stehen und ihren Glauben in direkter Verantwortung vor ihm leben müssen.

Können Sie die Kritik von Reinhard Marx nachvollziehen?

Der evangelischen Kirche geht es um ein Leben in versöhnter Verschiedenheit. Wir laden auch gastweise Mitglieder der jeweils anderen Konfession zum Abendmahl ein. Die römisch-katholische Kirche versteht unter Einheit etwas anderes. Traditionell gesagt versteht sie darunter, dass ich unter dem Primat des Papstes Mitglied in einer Organisation bin und diese Organisation die Einheit darstellt. Und das können Protestanten so nicht mittragen. Deshalb kann Ökumene für Protestanten auch nicht bedeuten, wir kehren zurück in den Schoß der römisch-katholischen Kirche und sagen: Es ist ja alles so in Ordnung.

Bedarf es für die Ökumene einer Revolution von unten oder von oben?

In den dogmatischen Entscheidungen wird es nur mit der Revolution von Oben gehen. Nur Kirche ist ja kein abstraktes Dogmatikum, sondern sie besteht aus lebendigen Menschen. Und da funktioniert Ökumene.

Ketzerisch gefragt: Wird es einmal eine ökumenische Kirche geben?

Es gibt die verfasste Kirche und es gibt die geglaubte Kirche. Und die ökumenische geglaubte Kirche, die gibt es bereits. Im Glaubensbekenntnis sprechen wir jedes mal: Ich glaube an den heiligen Geist, die heilige, weltumspannende, christliche(=katholische) Kirche.

Die einen beten aber „katholische Kirche“.

Ja, „katholisch“ (im wörtlichen Sinne von griech. katholikos “allumfassend” Anmerkung der Redaktion) steht dafür, dass der Glaube nicht nur auf eine Nation oder Rasse begrenzt ist, sondern dass es überall auf der Welt Christen gibt, die miteinander verbunden sind. Ich glaube nicht, dass es einmal eine gemeinsame institutionell verfasste Kirche geben wird. Dazu sind die Menschen zu unterschiedlich. Hier in meinem Arbeitszimmer sehen Sie an der Wand ein Bild von Sieger Köder, einem katholischen Priester. Es zeigt die Eucharistie, das Abendmahl Jesu Christi. Darin sind wir miteinander verbunden.

Wie meinen Sie das?

An diesem Tisch schenkt sich Jesus selbst und uns Gemeinschaft. Katholiken, Orthodoxe und Protestanten sind jederzeit herzlich willkommen. Und Christus sagt: Du bist mir wertvoll! Schön, dass du da bist! Die Konfession spielt dabei keine Rolle.

Dieser Tisch wurde aber zersägt und jede Kirche hat ein Tischbein ergattert.

Das ist das traurige dran. Aber das hat Jesus nie gewollt. Der Theologe Fulbert Steffensky hat deshalb gefordert, dass Christen verschiedener Konfessionen am jeweils anderen Abendmahl teilnehmen sollen. Die Priester wissen ja sowieso nicht, ob du katholisch oder evangelisch bist. Also praktiziere Abendmahlsgemeinschaft und warte nicht, bis sie kirchenpolitisch genehmigt worden ist.

Also doch die Revolution von unten.

Es wird immer nur dann Veränderung in der Kirche geben, wenn viele Menschen sagen: An diesem Punkt entspricht das, was wir tun, nicht dem Evangelium. Wir müssen es verändern!

Herr Schneider, vielen Dank für das Gespräch.

Ökumenische Fahnen im Pfingstwind

KU EXISTENZ geistert durch die Uni. Studis begeistern andere für ein Treffen mit dem merkwürdigen Namen KU EXISTENZ.

Ein Geheimtreffen, bei dem es um die Existenz der KU geht? Steht unsere Uni auf dem Spiel?

Wer genau guckt, sieht: das KU wird zum KO, die KU EXISTENZ zur KOEXISTENZ.

Ein Geheimbund, der mit anderen kooperiert? Ein Club, der mit verdeckten Karten spielt?

Mehr Miteinander vor Ort

KOEXISTENZ an der KU: wünschenswert – wert sie aufzubauen. Wer fängt an? Wer baut mit? Einige an der KU wollen es versuchen. Sie nehmen einander wahr, lernen sich kennen, vernetzen sich. Sie kommen aus christlichen Gruppen, sind in der katholischen oder evangelischen Kirche eingewurzelt, wünschen sich mehr Miteinander, mehr Ökumene vor Ort.

Am Wochenende nach Pfingsten (Freitag 19 Uhr – Samstagabend) treffen sie sich in der KHG – zu Mahlzeiten und Gebetszeiten, zu Vorträgen und Workshops, zum Gottesdienst. Ökumenische Gemeinschaft – im Pfingstwind des Geistes Gottes. Gottes Wind weht, wo er will. Stellen wir unsere Fahnen in Seinen Wind, unsere evangelischen, katholischen, ökumenischen Fahnen!

Herzlich lade ich Dich zum Wochenende „KU EXISTENZ“ ein.

„mich?“ „Ja Dich!“ Schon sind wir zu zweit. Wenn auch andere andere einladen, werden wir viele.

Pater Johannes

Das eigene Süppchen ist nicht genug: Warum Ökumene wichtig ist

Der 2. Ökumenische Kirchentag in München ist eben erst zu Ende gegangen. Ein großer Event. Die verschiedenen Konfessionen wollten die Einheit aller Christen im Glauben an Jesus Christus feiern und demonstrieren. Ein wichtiges Zeichen. Trotzdem lässt viele das Thema Ökumene kalt. „Wozu über den Tellerrand schauen? In meinem eigenen Süppchen bin ich doch sehr zufrieden.“ Oder: „Wieso soll ich auf den anderen zugehen? Ich bin doch in der richtigen Konfession!“ Die Trennung der Christenheit ist zwar vielen bewusst, aber schlichtweg egal. Dabei müsste sie für jeden Christen eine der schmerzlichsten Erfahrungen sein.

Christen sollen brennen

Obwohl Jesus Christus selbst die Einheit im Glauben wünscht, sind wir als Christen uneins und aufgespalten in verschiedene Konfessionen und Gruppierungen.

Im Johannes-Evangelium lesen wir im 17. Kapitel, dass Jesus Christus um die Einheit betet: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.“

Vater und Sohn sind eins im heiligen Geist

Der Weg zur Einheit ist der Weg, den Gott selbst gegangen ist, um mit uns eins zu werden. Gott ist Mensch geworden. So konnte er sich in die Situation des Menschen hineindenken und als Mensch leben, in allem uns gleich, außer der Sünde. In seiner Liebe versetzt er sich in die Lage des Menschen. Jesus kann diesen Weg der totalen Hingabe gehen, weil sie ganz und gar seinem göttlichen Wesen entspricht: Gott ist die Liebe.

Kreuz an AstGott Vater und Gott Sohn sind in der gegenseitigen Liebe eins im heiligen Geist. Der Vater im Sohn, der Sohn im Vater! Diese sich gegenseitig durchdringende Liebe im heiligen Geist ist das Maß der Einheit, das uns Jesus nennt. „Sie sollen eins sein, wie wir eins sind. Wie du Vater in mir bist und ich in dir bin, so sollen sie in uns sein.“


Der Weg zur Einheit geht also über Gott, oder besser gesagt, durch Gott. Der Glaube an Gott, das „Eins-werden“ in und mit Gott ist die Methode, auch mit den Mitmenschen in Einheit zu leben.

Gespaltene Christen sind unglaubwürdig

Warum wünscht Jesus diese Einheit? Welches Ziel verfolgt er, wenn er den Wunsch ausspricht: Alle sollen eins sein? Zwei Mal in dieser Stelle im Johannes-Evangelium teilt uns Jesus die Absicht mit, die er verfolgt: „…damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“. Und später noch einmal: „…damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich“.

Wir sollen in Einheit untereinander leben, damit die anderen Menschen zum Glauben an Gott finden und Gott erkennen. Dadurch, dass wir in Einheit untereinander leben, soll die Welt erkennen: Es gibt einen Gott, und dieser Gott liebt die Menschen. Er liebt die Menschen wie seinen eigenen Sohn, Jesus Christus.

Wir müssen uns die Frage stellen: Inwiefern verhindern unsere Lieblosigkeiten, dass die Liebe Gottes in dieser Welt richtig zum Tragen kommt? Die Kirche in ihrer Uneinigkeit erschwert den Menschen, Gott zu erkennen. Das ist für jeden Christen eine schmerzliche Erkenntnis.

Die Spaltungen, ob zwischen christlichen Kirchen oder christlichen Ländern oder zwischen christlichen Familien oder Ehepartnern, jede Form von Spaltung unter Christen ist mit schuld, dass Gott so wenig erkannt wird und an Gott so wenig geglaubt wird.

Jesus bittet um die Einheit der Seinen, damit die Welt glaubt und damit die Menschen erkennen, wie sehr Gott sie liebt.

Deshalb ist Ökumene ein wichtiges Anliegen. Jesus Christus selbst ruft uns zur Einheit auf, dafür betet er zu seinem Vater im Himmel. Es geht nicht um eine Kuschel-Ökumene. Einheit, „damit die Welt glaubt“. Wer die Einheit mit Christus sucht, der findet sie in der Einheit mit den Menschen. Und wer die Einheit mit den Menschen sucht, der findet sie in der Einheit mit Christus.

Viele der Gedanken sind der Predigt von Domkapitular Josef Blomenhofer entnommen, die er am 7. Sonntag in der Osterzeit im Hohen Dom zu Eichstätt gehalten hat.

„Ich setze dem Heiligen Geist keine Grenzen“

Im Collegium Orientale in Eichstätt studieren 25 junge Menschen aus verschiedenen Kirchen und Ländern. Seit 2008 leitet Rektor Paul Schmidt das Collegium. Mit Ralf Fischer und Dominic René Possoch sprach er für KU-Existenz über seine Hoffnung für eine zukünftige Einheit der Christen und den Schmerz über ihre derzeitige Trennung.

Herr Schmidt, der Ökumenische Kirchentag ist gerade in München zu Ende gegangen. Es gab große Gottesdienste, Konzerte und viel Prominenz. Wie kann Ökumene außerhalb solcher Events aussehen?

Da gibt es viele Möglichkeiten: Zum Beispiel, dass man miteinander in der Heiligen Schrift liest, dass man sich freundschaftlich begegnet, und dass man sich gegenseitig kennen lernt. Im Collegium Orientale erleben wir eine ganz andere Ökumene. Im Augenblick leben neben zwanzig Studenten aus katholischen Ostkirchen auch fünf georgisch-orthodoxe Studenten im Haus. Wir lernen uns gegenseitig kennen durch das gemeinsame Studium, das gemeinsame Leben und durch unsere gemeinsamen Gottesdienste. Dabei gilt immer der Grundsatz: nur innerhalb der Grenzen, die uns von den Kirchen vorgegeben werden.

Welche Grenzen meinen Sie?

Zum Beispiel, dass die georgisch-orthodoxe Kirche sagt, ihre Mitglieder dürfen in den katholischen Kirchen nicht zur Kommunion gehen. Wir achten diese Grenze.

Im Collegium studieren Christen unter anderem aus Indien und Osteuropa. Die einen feiern den Gottesdienst nach dem syro-malankarischen Ritus, die anderen nach dem byzantinischen. Thematisieren Sie die Unterschiede?

Eigentlich nicht, weil diese Unterschiede nicht wehtun. Alle achten sich gegenseitig. Der Hausritus ist der byzantinische Ritus, doch wir feiern, wenn möglich, einmal in der Woche die Eucharistische Liturgie auch im syrischen Ritus. Dass beide Riten erlebbar werden ist eine Bereicherung.

Sich gegenseitig achten, ist das der Schlüssel, wie Christen aus vielen verschiedenen Traditionen zusammen leben können?

Sich zu achten, ist grundsätzlich etwas Menschliches und Wichtiges. Wichtig ist, dass man weiß: Wir haben alle das gleiche Ziel. Der Inhalt, den wir feiern, ist überall der Gleiche: Wir feiern Jesus Christus. Das ist nicht vom Ritus abhängig.

Könnte das auch über die Mauern des Collegium Orientale hinweg die Grundlage für die Ökumene mit den Protestanten sein?

Die Situation zwischen der katholischen und der byzantinischen Tradition ist eine andere, als zwischen der katholischen Tradition und den protestantischen Traditionen. Zwischen dem orthodoxen und dem katholischen Bereich gibt es im Grunde keine theologischen Probleme, abgesehen von der Frage nach dem Primat. Wir haben das gleiche Sakramenten- und das gleiche Kirchenverständnis. Die Frage zwischen katholisch und protestantisch ist dagegen: Was ist die Kirche? Wie ist sie zu verstehen?

Wie meinen Sie das?

Das Papsttum ist ja nur die Spitze des Eisbergs der ekklesiologischen Unterschiede. Welche Aufgabe hat die Kirche? Wie wirkt der Heilige Geist in ihren Ämtern, in den Sakramenten? Was ist die Kirche in ihrem innersten Wesen? Da gibt es sehr unterschiedliche Antworten auf beiden Seiten und die machen es schwer, dass die getrennten Christen zueinander finden.

Glauben Sie, dass den Christen die Spaltung der Kirche schmerzlich bewusst ist?

Meine Erfahrung ist die, dass Menschen immer wieder an den getrennten Kirchen leiden. Und so ein Leiden weckt auch eine Sehnsucht nach Einheit. Zum Beispiel in einer konfessionell verschiedenen Ehe. Du kannst ja dein Kind nur entweder so oder so taufen lassen. Es wird immer ein Schmerz für denjenigen sein, in dessen Konfession das Kind dann nicht getauft wird.

Wo spüren Sie persönlich diesen Schmerz?

Ich sehne mich danach, dass wir die Mahlgemeinschaft in unserem Haus haben. Sie ist nicht möglich. Und dass, obwohl wir tolle Studenten aus der orthodoxen Kirche haben. Das ist ein Schmerz. Für beide Seiten.

Ist dieser Schmerz in den Kirchen so stark? Oft wirkt es eher wie ein „Wehwehchen“.

Ich denke, dass der Schmerz größer ist, als es augenblicklich sichtbar ist. Und daher bin ich voller Hoffnung. Mir geht es in der Ökumene um Einheit. Zumindest als Vision und großes Ziel und dafür bete ich.

Wie könnte Ökumene trotz der Unterschiede aussehen?

Für mich war ein Gedanke von Erzbischof Marx im Vorfeld des Ökumenischen Kirchentages sehr herausfordernd. Er fragt: Was ist das Ziel der Ökumene? Geht es um Einheit, oder geht es den evangelischen Kirchen darum, dass sie anerkannt werden? Bin ich zufrieden, bloß weil ich anerkannt werde, oder will ich Einheit in einer ganz bunten Verschiedenheit? Ich habe eine hohe Meinung von den evangelischen Christen. Wenn es ihnen nur um Anerkennung geht, dann tut es mir persönlich weh.

Ist diese Einheit mit den irdischen Kirchen überhaupt möglich?

Ich setze dem Heiligen Geist keine Grenzen. Papst Johannes Paul II hat einmal gesagt: Es gibt bereits eine tiefe Einheit im Martyrium. In den Verfolgungen des 20. und 21. Jahrhunderts wurden und werden evangelische Christen und auch katholische und orthodoxe Christen wegen ihres Glaubens getötet.

Beide Kirchen befinden sich in Deutschland seit geraumer Zeit in der Krise. Sind Krisen ein Ökumene-Motor?

Ja, das glaube ich. Ich bin überzeugt, dass das Zeugnis der Einheit ein ganz wichtiges Element in der Evangelisation ist und dass die fehlende Einheit uns auch behindert: Eine gespaltene Christenheit kann das Evangelium schlechter verkünden als eine Christenheit, die einig ist.

Haben Sie ein Rezept, wie die Christen zusammenkommen können?

Rezepte gibt es im Leben der Menschen nicht. Man kann immer nur versuchen, den anderen zu verstehen, den anderen noch mal fragen, was er meint und immer davon ausgehen, dass er es erst einmal gut meint.

Herr Schmidt, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Gemeinsam geht es aufwärts

„Kein Zutritt für Katholiken!“

„Ich bremse auch für Protestanten!“

„Christen raus! aus der Engstirnigkeit!“

„Die Kirche kann mich mal! gern haben …“

„Christen sollen brennen! in Liebe zueinander!“

Kein Zutritt für Katholiken

Schilder auf dem Ökumenischen Kirchentag? Schlagzeilen in Boulevard-Zeitungen? Vorgeschmack für den Mega-Event in München?

Nein, näher als München. Ein Event in Eichstätt.

Ende Mai treffen sich in der KHG Gruppen, denen das C mehr bedeutet als vielen. Studis, die bewusst Christen sein wollen und andere einladen es auch zu sein. Christliche Gemeinschaften wie Charismatischer Gebetskreis, Comunione e Liberazione, Jugend 2000, Studentenmission Deutschland (SMD) und Katholische Hochschulgemeinde.

„KU-EXISTENZ“ wird das Treffen heißen, zu mehr Koexistenz an der KU will es beitragen. „Gemeinsam aufwärts“ wird es gehen, wenn mehrere Gemeinschaften, die aus dem Evangelium leben wollen, miteinander die Bibel entdecken, auf Gottes Wort hören, gemeinsam beten und singen, essen und trinken.

Ökumene nicht nur in München, auch in Eichstätt, sowohl auf dem Mega-Event Kirchentag, wie bei der Premiere KU-Existenz.

Wann? Am Freitag/Samstag, 28./29. Mai.

Mehr auf Plakaten wie ….. (siehe oben).

Ich bin dabei. Du auch?

Pater Johannes